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Die Geldgier im Web 2.0

Das schöne Web 2.0 und seine Darstellung mag jedem gerne mal die Augen glänzig zeichnen. Auch Entwickler haben bereits gemerkt, dass das Auge je länger wie mehr das Bauchgefühl ersetzt und sie so den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen können. Mir sind dabei sehr viele Beispiele dafür über den Weg gelaufen.

Das Auge ist mit

Der Selbsttest: Wie oft lässt du dich von der Optik eines Programms oder einer Webapplikation zum Kauf überreden? Ich je läger wie mehr, weil ich so oder so den Drang dazu habe, mit dem Auge zu beurteilen, da mich als Designer ja vor Allem diese Aspekte interessieren. Und genau diesen Trick nutzen Entwickler, um Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Man neigt dann oft dazu, sich durch das gute Aussehen positiv stimmen zu lassen und greift schlicht weg ohne lange zu überlegen zu.

Beispiele für solche Anwendungen gibt es am Laufband. Nachfolgend werde ich einige zeigen und auch meine Meinung dazu schildern, warum diese Anwendung ein schlechter Kauf ist. Ich deute damit nicht an, dass diese Lösungen schlecht währen in ihren Funktionen. Rein das Preis/Leistungsverhältnis lässt zu wünschen übrig in Anbetracht der Tatsache, dass die Tools und Services meist nur gut aussehen.

LightCMS

Web 2.0 Content Management System for Designers | Content Management System for Ad Agencies | CMS

Der offizielle Slogan von LightCMS “the friendly CMS for web designers” könnte man auch anders verstehen. “Das Idiotensichere CMS für den Webdesigner, da die sowieso nichts von Coden verstehen”. Also kurz ausgedrückt: Das CMS für faule Webdesigner mit grossem Geldbeutel. Denn neben der Tatsache, dass dieses Ding im Gegensatz zu den Weltgrössen WordPress, Drupal und Co. weder eine wirkliche Community, noch wirklich viele Funktionen mit sich bringt, kostet es auch noch unverschämt viel.

Ach übrigens: Die selbe Entwicklergruppe bietet auch das WatterCMS und SkyCMS an, welche sich überhaupt nicht von LightCMS unterscheidet aber genau gleich viel kostet.

LightCMS - Underdressed

Die kostenlose Variante fällt schonmal völlig vom Sockel. Drei Seiten und begrenzte 10 MB reichen allenfalls für eine kurz Profilseite, dennoch nicht für ein Webdesigner Portfolio, welches zumindest genug Platz für Bilder in bester Qualität haben sollte. Die restlichen Angebote sind so oder so völlig übertrieben bemessen und wohl nur für Webdesigner mit IQ < 50 kalkuliert. Wer diese Angebote beansprucht, sollte bei der selbstvermarkenden Werbung nicht all zu grosse Töne spucken.

tgethr

tgethr - Ganz ausgereifte Abzockerei

Ich nutze oft das E-Mail Postfach von Facebook, weil es einfach angenehm einfach und schnell geht, eine Nachricht oder Kurznotiz zu verschicken. tgethr ist da genau das was ich brauche. Eine Weboberfläche zur einfachen Kommunikation. Doch aber was ist das? ACH DU MEINE GÜTE! Der Preis schwappt über alle Ufer der Selbsteinschätzung von Seiten der Entwickler. Da hat ein ganz ausgereifter Fuchs wohl schnell mal das Potenzial eines solchen Services bemerkt und sich selbst überschtäzt.

tgethr - Oh mein Gott.

Obwohl auf der tgethr Seite unter den Details “Some people charge to secure your web traffic. We don’t. It’s standard with every account” (Einige Leute verlangen Geld für eine sicheren Webübertragung. Wir nicht, es ist Standard mit jedem Account) zu lesen ist , wird erst mit dem 24$ im Monat kostenden Angebot auch eine geschützte Gruppe angeboten. Und nur EINE geschützte Gruppe was so viel heisst wie “Web traffic is encrypted and emails can be sent signed (identity verification) and encrypted (scrambled from prying eyes)” (Webübertragung ist Verschlüsselt und E-Mails können signiert – identifikations sicher – und verschlüsselt übertragen werden). Was sagt uns das? Richtig. Hier wird grosses Kino um nichts gemacht und auch noch ein Service garantiert, der gar nicht existiert.

Campfire

Campfire - Löcher aus dem Hause 37Signals

Ein Chat zur Kommunikation zwischen Teams, Kunden und Partner ist nützlich. Und teuer. Teuer?! Was teuer? Ja, es gibt tatsächlich Leute die bezahlen trotz dem, dass der Chat sich schon längs als Standard ins Web eingebürgert hat bis zu 99$ im Monat für Campfire, um mit ihren Leuten kommunizieren zu können. Dabei kann doch jeder problemlos seinen eigenen Chat im Internet erstellen, hosten oder generieren. Daneben gibt es IRC als die wohl meist benutzte Chat Plattform. Nichts desto trotz hat die Entwicklertruppe von 37Signals eine weitere Lücke auf dem Markt gefunden um Leuten, die sich nicht gerne lange beraten lassen, das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Campfire - Die Spinnen die Römer

Campfire bietet zwar eine sehr einfach Möglichkeit, direkt während des Chats Dateien und Bilder einzubinden. Das ist aber kein Argument um 12$ – 99$ Dollar in eine Chat Applikation zu investieren, die es mit IRC bereits mehr als lange gibt. Des Weiteren bin ich mir nicht so ganz sicher, ob überhaupt jemand mit mehr als 12 Leuten gleichzeitig chatten kann und dabei die Übersicht über den Chatverlauf noch hat.

Fazit

Es ist nicht alles Gold was glänzt. Auf jeden Fall nicht für den Benutzer. Die Entwickler hingegen schlagen ihren Profit aus den von Augen gesteuerten Benutzer, die den Service oftmals nicht hinterdenken oder nach billigeren, sogar kostenlosen Alternativen suchen.

Es gibt auch noch weitere dreiste Beispiele, diese hier sind aber eindeutig ganz oben auf der Spitze des Eisbergs platziert. Was meint ihr zu den Angeboten? Sind die Preise gerechtfertigt?


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  • http://laszlokorte.de Laszlo Korte

    Interessanter Artikel. Im vergleich zu anderen OnlineAngeboten (youtube, google, facebook, svz, twitter), die es kostenlos gibt, sind diese kleinen Anwendungen, die es im Prinzip schon woanders umsonst gibt, wirklich sehr teuer.

    Allerdings erkennt man zumindest in vielen von ihnen auch den Aufwand, der dahinter steckt. Eben, dass man diesen AUfwand und die Detailverliebtheit im Design sieht, zieht einen ja gerade zu kauf des Produkts. Man bezahlt also dafür mit, dass man gelockt wird.

    Ich sehe da übrigens eine Parallele zu Apple, wo man ja auch für das super schicke Design nochmal genau so viel drauf zahlt, wie bei anderen Herstellen für die Technik ohne Design. Das wird einfach auf die OnlineAnwendungen übertragen, die ja meist auch im Mac-Zusammenhang vermarktet werden. (z.B. der Screenshot au der Campfire-Startseite mit Kopfleiste des Fensters im mac-style)

  • http://www.nachtmeister.ch Nachtmeister

    Da hast du recht. Da finden sich wirklich parallelen da Apple ja praktisch ein wenig Urvater dieser Art von schlichten und benutzerfreundlichem Design ist. Allerdings gibt es bei Apple keine Alternativen, da Mac OSX als monopol strikt auf Apple Maschinen gehalten wird.

    Hier hingegen kann man fast für jede Applikation eine Alternative nennen, welche zwar weit aus nicht so gut aussieht, aber mindestens den gleichen Ansatz an Funktionalität bietet zu kleinerem Preis oder sogar kostenlos als OpenSource.

  • http://laszlokorte.de Laszlo Korte

    Etwas an den Haaren herbeigezogen wären zu MacOS die Alternativen wohl einige der LinuxDistrus.
    Also die gleiche Funktionalität nur mit fertigem Glanzdesign gegen ein nicht so tolles Design, was man aber beliebig verändern und erweitern kann.

    Oder eben iPhone vs Bleckberry. Der Unterschied ist wohl nur, dass bei Apples Produkten die Zielgruppe überhaupt größer ist, als die eines CMS oder Projektmanagers

  • macquick

    Ich denke, dass diese Geschichte relativ vergleichbar mit einer WoW-Parabel ist:

    Derjenige, der keine Lust hat sich am Tag 1-2h Dailies reinzuziehen geht einfach auf eBay und kauft sich dort einfach mal 5000g für ein paar Kröten.

    “Easycredit, und das ganz ohne Zinsen!” – Nach diesem Motto. Besonders da es leichter ist mit Photoshop anständig umzugehen, als eine gutdurchdachte php-Seite zu basteln. Und sobald man weiß wie man mit Slices umgeht, sich dann als Webdesigner schimpft.

    Ich kenne Leute, welche in WoW mit 30k Gold rumgurken, welche sie zum Großteil einfach durch Dailies farmen und Auction-House-Domination erarbeitet haben.
    Jemand der diese Anzahl an Gold aufkauft von einem Chinesen ist locker um einige hundert Euro leichter, hat aber dafür gar kein Gefühl, wie schwer es überhaupt ist diese riesige Summe zusammenzuarbeiten.

    Genauso bei Webdesignern:

    Jemand der seine Seite von Grund auf (sei es mit einem ganzen Programmierteam) selber aufbaut, egal ob jetzt einige Schnipsel von wo anders benutzt werden, weiß einfach wie schwer es auch ist so etwas auf die Beine zu setzen.

    Ganz abgesehen davon, dass ich z.B. von diesem Campfire nicht wirklich was halte. Größere Firmen haben eigene interne Instant-Messenger und Plattformen, um zwischen den Abteilungen zu kommunizieren. Und bei kleineren Firmen sind heutzutage ja auch eigentlich schon solche Communication-Plattforms gleich direkt mit dabei. Siehe Adobe Bridge, iWork, Microsoft Office.

    Mir kommt es inzwischen so vor, als wären die volkswirtschaftlichen Grundgesetzte einfach nichtig geworden. Heutzutage erschafft das übermäßige Angebot einfach die Nachfrage, weil einem durch Werbung und aggressives Verkaufsmarketing einfach nur vorgegaukelt wird, dass man jetzt geklontes Fleisch braucht, weil es – natürlich ohne chemische Zusätze – über mehr Omega-3-Fettsäuren verfügt.

    My 3 cents ;)

    macquick // iFab

  • 912lab

    Ein weiteres Beispiel dafür wäre Mint (http://haveamint.com/), die verlangen 30 Dollar für ein Website analytics Programm. Das wäre ja ok, wenn es Funktionen hätte, die andere kostenlose Alternativen wie z.B. Google Analytics nicht haben. Aber das ist nicht der Fall.

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